[Blogtour]Deceptive City: Zweiklassengesellschaft

[Blogtour]Deceptive City: Zweiklassengesellschaft

Hallo, ihr Lieben!

Vielen Dank, dass ihr euren Weg hierher gefunden habt. Die Blogtour endet schon morgen und heute habe ich noch ein letztes kritisches Thema vorbereitet, bevor es  morgen mit Vero zum Interview geht. Dann erscheint das Buch schon beim wundervollen Sternensand Verlag! Das heutige Thema lautet:

»Zweiklassengesellschaft in ›Deceptive City‹ und werden wir auch bald eine Zweiklassengesellschaft erfahren?«

Ich freue mich sehr darauf, das Thema ein wenig mit euch zu erörtern, unsere Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und eure Gedanken dazu zu hören.


»Deceptive City« und »Sanni« sind Geschichten aus demselben Universum, wie ihr mittlerweile mitbekommen habt. Einer Dystopie, wie sie im Buche steht. Es ist ganz typisch für Dystopien, dass sie ein gesellschaftskritisches Szenario thematisieren. Stefanie hat sich hier für eine Zweiklassengesellschaft entschieden. Wir klären den Begriff einmal kurz, damit keine Verwirrungen aufkommen können, weil man sich nicht ganz sicher ist, was genau das eigentlich bedeutet.

Der Duden definiert eine Zweiklassengesellschaft folgendermaßen: »Gesellschaftsform, die aus einer Klasse der Wohlhabenden und einer Klasse der Mittellosen besteht, wobei eine starke Mittelschicht fehlt

In »Deceptive City« und »Sanni« wird diese Zweiklassengesellschaft vielleicht etwas extremer dargestellt, als wir sie kennen. Die Klasse der Wohlhabenden, die Städter, von den Bewohnern der äußeren Bezirke auch liebevoll Snobs genannt, und die der Mittellosen, die Bewohner der äußeren Bezirke, driften nämlich extrem auseinander. Während die Reichen wortwörtlich ihre Kinder züchten können, können die Armen sich nicht mal die grundlegendsten Medikamente leisten. Sie produzieren die Güter für die Reichen en masse in Fabriken und leben, zumindest nach unseren Standards, in baufälligen Gebäuden. Und es geht noch einen Schritt weiter: Die wenigsten Reichen wissen tatsächlich, wie es der unteren Kaste ergeht, geschweige denn dass es außerhalb der Stadt überhaupt Menschen gibt. Sie ziehen eine Mauer um ihre extrem saubere, wunderschöne und sterile Stadt und schließen die Slums aus ihrem Leben aus. Die Verhältnisse der Unterschicht sind fast schon sklavisch, während die Reichen in Saus und Braus leben und es sich auch leisten, ihre »defekten« Kinder durch ein entsprechendes Duplikat auszusortieren.

Davon ausgehend, dass hier noch nicht alle die Bücher kennen, werde ich nicht viel mehr dazu sagen, schließlich möchte ich nicht spoilern.


Aber was ist eigentlich mit unserer Gesellschaft? Haben wir eine Zweiklassengesellschaft? Bahnt sie sich vielleicht an?

Die meisten von euch werden sagen: »Nein, Zweiklassengesellschaft und Deutschland sind was völlig Unterschiedliches.« Stimmt leider nur bedingt. Wir bekommen es durch unser Sozialsystem vielleicht nicht so stark mit und bekommen immer gesagt, dass sich die Löhne immer mehr angleichen, aber so ganz richtig ist das auch nicht. Statistiken lassen sich ja bekanntermaßen interpretieren.

Fakt ist, und das bestätigt auch der bedeutende Ökonom Branko Milanovic, dass die Löhne und Gehälter sich global zwar immer mehr anpassen, international aber immer mehr auseinandergehen. Klingt abwegig, aber lasst es mich euch kurz erklären. Im Prinzip ist das ein ganz logisches Phänomen der Globalisation. Wir transportieren das Gut Arbeit vom Ausland in unser Inland. Sprich, Arbeiter aus Ländern mit geringen Arbeitsstandards und kleinen Lohnvorstellungen kommen nach Deutschland. Wir nehmen beispielsweise einfach mal einen indischen Arbeiter, der Putzkraft ist. Eine deutsche Putzkraft bekommt pro Stunde 12 Euro, der Inder möchte aber nur zum Mindestlohn arbeiten, weil das schon deutlich mehr ist, als er gewohnt ist. Sorry für die scheinbaren Diskrimierungen an dieser Stelle, aber ich hoffe ihr versteht, dass es ein Beispiel ist. Firma XY stellt also den Inder statt den Deutschen ein, bis der Deutsche seine Lohnvorstellung auf den Mindestlohn anpasst, weil er sonst keine Anstellung mehr bekommen würde. Er wird also substituiert durch eine ausländische Arbeitskraft. Bei höherem Bildungsniveau funktioniert das nicht so einfach, da sich Akademiker nicht zwangsläufig substituieren lassen. Das inländische Einkommen geht also immer mehr auseinander, während sich der Inder natürlich freuen kann, mehr Gehalt zu bekommen.

Auch die steigenden Ex- und Importe vereinfachen die Anpassung der Löhne international. China als Exportweltmeister hat seine Mittelschicht deutlich angehoben und ist mittlerweile mehr oder weniger auf mitteleuropäischem Niveau. Die Exporte haben die Gewinne der Firmen und dementsprechend auch die Löhne der Arbeiter erhöht, während bei den importierenden Ländern (hauptsächlich Europa und die USA) diejenigen Jobs abgebaut werden, die vorher die jetzt importierten Produkte hergestellt haben.

Denke ich also, dass es bald eine Zweiklassengesellschaft geben wird? Ja. Es gibt sie auch schon. Nur noch nicht so extrem wie in DC und Sanni. Um das zu verhindern, muss man langsam gewisse Dinge angehen. Milanovic schlägt dazu beispielsweise vor, mehr Inklusion zu betreiben, also die höheren Schichten und die niedrigeren Schichten nicht mehr voneinander zu trennen, jeden gleich zu behandeln und keine Privilegien mehr an Reiche zu vergeben. Stichwort könnte hier sein: Reichensteuer.


Ich habe euch jetzt sehr mit wirtschaftlichem Blabla zugemüllt, das Thema kann allerdings sehr emotional sein. Deswegen wollte ich mich auf Fakten und nicht mein persönliches Empfinden berufen. Ich hoffe, es hat euch dennoch ein wenig inspiriert und vielleicht auch ein paar Gedankenschubser zu dem Thema gegeben.

Meine Gewinnspielfrage lautet: »Spürt ihr schon Andeutungen einer Zweiklassengesellschaft? Wenn ja, wo?«

Ihr könnt entweder direkt hier oder bei dem Post in der Facebook-Veranstaltung antworten. Wenn ihr bei beidem etwas schreibt, gibt es kein Extralos.

Die Gewinnspielbedingungen findet ihr hier. Mit einem Kommentar erklärt ihr euch mit den Bedinungen einverstanden. Pro Blog gibt es ein Print zu »Sanni« zu gewinnen. Viel Glück!

Eure Caro

Quellen: Fünf Semester BWL-Studium 😀